FASHION

Wege aus dem Nicht-Stil

Bob Blume: Lehrer, Blogger und Autor

Eine Anleitung zu männlichem Halbversagen

 

Lassen Sie mich die wichtigsten Dinge zuerst klären. Mich qualifiziert nichts zu einem Beitrag über Mode, außer zwei Platzierungen zum stilsicheren Lehrer in der Schülerzeitung und einer zum am besten gekleideten Lehrer in der Abiturzeitung. Das könnte natürlich Stilsicherheit bedeuten, aber eben auch genauso in die anbiedernde Richtung eines semi-coolen Möchtegerns zeigen. Das wäre eher traurig. Treffen wir uns in der Mitte: Die Qualifizierung ist vorhanden, reicht aber nicht aus. Wenn wir uns darüber einig sind und Sie dennoch weiterlesen, wird es so ähnlich laufen wie auch sonst im Internet. Diejenigen, die es nicht gebrauchen, lesen, lächeln und nicken. Die, die es gebrauchen könnten sind im C&A und kaufen Karohemden (was wirklich nur dann erlaubt ist, wenn der Käufer ein amerikanischer Cowboy mit sächsischem Migrationshintergrund ist). Aber Sie können es anders machen: Haben Sie einen Partner, dessen Stil in Mode war als das erste Jackson-Album rauskam? Schicken Sie einfach diesen Link. „Aus Versehen.“ Ups.

Bevor ich wohlwissend ins schriftliche Verderben balanciere, hier einige Gemeinplätze, damit wir nicht mehr darüber sprechen müssen.

 

  • Wer sagt „Geschmäcker sind verschieden“ hat Recht, aber wahrscheinlich auch keine Ahnung von Mode (also eine Gemeinsamkeit mit dem Autor dieser Zeilen).
  • Wir sprechen über Mode und nicht Funktionalität. Natürlich würde man auf dem Mount Everest eher Jack Wolfskin tragen als zu erfrieren, aber in der Fußgängerzone von Gelsenkirchen-Horst wirkt das doch eher deplatziert. Mode und Funktion schließen sich aus (nein, darüber diskutiere ich nicht).
  • Die Jugend hat Recht, aber immer nur so kurz, dass sie den Zeitpunkt verpasst, es auch zu bemerken.
  • Wer erneut die Astronautenschuhe von Buffalo kauft, damit herumtaumelt oder es auch nur in Betracht zieht, ist auf Lebenszeit disqualifiziert über Mode auch nur nachzudenken.
  • Manche Menschen sind schön, egal was sie tragen. Das gilt nicht. Sie suggerieren uns Normalsterblichen nämlich, dass wir auch Säcke oder Fleischlappen tragen könnten und nicht von ein paar aufgebrachten Dorfschlägern zerpflückt würden.

 

Da wir das geklärt hätten, kommen wir nun zum wirklich heißen Scheiß! Kleiner Scherz. Floskeln sind die weißen Strümpfe in den Badelatschen der schönen Sprache. Also: Die meisten Männer (also jenes der vielen Geschlechter, die durch grasnarbenhohe Witze, wenig schlaue Sprüche und schalem Blick die Städte bevölkern) haben keinen schlechten Stil. Sie haben schlicht keinen Stil.

Das Problem ist nicht Stillosigkeit, sondern Nicht-Stil (muss ich nochmals anfügen, dass diese Zeilen auch nur ein Kind der Zeit sind? Wir sind hier nicht in einer Philosophievorlesung. Keine Angst, die Aufzählung kommt gleich). Der Nicht-Stil zeichnet sich dadurch aus, dass entweder zu wenig oder gar nicht über Mode nachgedacht wird. Das, was dann rauskommt, tut nicht weh. Und das tut weh.

Die Stilsünden sind immerhin Zeichen ausgeprägter Ignoranz. Der Nicht-Stil fällt auf, weil er nicht auffällt. Wie kann sie der vornehme Herr also anziehen, um nicht vom semi-intelligenten Autoren dieser geistreichen Zeilen in den Topf der Nicht-Stilsünder geschmissen zu werden? Indem er sich an ein paar einfache Grundregeln hält (Hallo Sie! Falls Sie sich mit Mode auskennen und das hier für unangebracht halten, lassen Sie Gnade walten. Vielleicht bin ich bald einmal Klassenlehrer Ihres Kindes).

Ein gutes Outfit besteht zunächst mal aus vier Teilen. Was dann rauskommt, nennt sich casual und man wird in Berlin dafür verkloppt, so lange man nicht „an so einem Projekt“ arbeitet, das mit Apps zu tun hat. Aber da die meisten nicht in Berlin wohnen, ist das kein Problem. So schwer ist es also nicht.

 

Die Schuhe

Obwohl wir es gerade noch sagten: Wenn man die Funktionalität dabeihaben will, ist das kein Problem. Das rechtfertigt keine Wanderschuhe, weil Sie Treppensteigen müssen, aber es rechtfertigt durchaus Sneakers. Die Schuhe sind wichtig. Wenn Sie irgendwie modisch erscheinen wollen, sollten Sie sich das gut überlegen. Ein sicheres Indiz dafür, ob ein Schuh modisch ist, ist seine Ausgefallenheit. Ist er sehr ausgefallen und sieht modisch aus, ist er es meist. Nicht. Denn das schöne Modell, das wir eben ansprachen, hat Stilberater, die für den zweiten gelben Streifen auf dem violetten Schuh einen Buchstaben auf dem Hemd auswählen. Das haben wir nicht. Bleiben Sie also bei höchstens zwei Farben, die mit dem korrespondieren, was sie an Hosen haben. Da das wahrscheinlich genau eine Jeans ist, bietet sich weiß oder zumindest etwas Helles an (Sneaker). Finger weg von gelb. Warum? Darum.

Wenn Sie nichts Ausgefallenes haben, aber schöne Sneakers, zeugt das zumindest davon, dass Sie eine Entscheidung selbst getroffen haben (treffen Sie auch die über die Socken. Denn was nun kommt braucht Halbsocken. Da sollten Sie keine Alternativen eingehen).

Und noch eine Bitte. Lassen Sie die Finger von ausgefallenen Plastikstücken an Ihren Schuhen. Das wirkt infantil. Und so sehr die Jugend den Weg vorgeben mag. Sohlen gehören unter die Schuhe.

 

 

Die Hose

Hosen fallen entweder auf oder nicht. Unser Ziel als Otto-Normal-Verbraucher ist eher das zweite. Auffallen tun Hosen nämlich meistens dann, wenn sie stören. Die grün-schwarz-karierte 7/8tel Hose, die wirklich niemandem stehen kann – noch nicht einmal unseren Models von oben. Die bunten Hosen, die nur dann funktionieren, wenn Sie den Stilberater haben oder Promifriseur sind. Aber ich gebe zu: Eine einfache Jeans ist zu wenig. Im obigen Sinn: Lassen Sie sich von der Jugend inspirieren.

Da Sie sowieso schöne Sneakers anhaben, können Sie es entweder mit einer Chino probieren, die bis vor die Knöchel gehen oder sie falten eine Hose  (die zumindest slim fit sein sollte) bis über die Knöchel. Warum? Weil der Zeitgeist es uns eingehaucht hat.

 

Bob Blume Style

 

Das Hemd/ das T-Shirt

Das Hemd oder das T-Shirt ist natürlich neben unserem wundervollen Gesicht der Blickfang. Beginnen wir mit dem T-Shirt. Das wohl am meisten unterschätzte Kleidungsutensil ist das weiße T-Shirt. Es tut mir leid, wenn ich Sie jetzt nochmals enttäusche. Aber so ist es. Die weißen Sneakers, die blaue Chino und das weiße T-Shirt ist vor allem eines nicht: Nicht-Mode.

Denn es lässt Raum für den Gegenstand X.

Das kann ein einfacher Gürtel sein, der die Teile des Outfits miteinander verbindet. Das kann eine modische Uhr sein, die für ein wenig Ablenkung sorgt. Das kann eine einfache Ledertasche sein.

 

 

Das Wichtigste aber ist: Das Understatement führt zum Stil. Die wild zusammengeworfenen Kleidungsstücke, die karierten umkreisten Hemden, die dicken Uhren (warum zum Teufel sollte eine Uhr vier Zentimeter hoch sein?), die ausgefallenen Schuhe – all das mag als Teil eines Outfits passen. Aber leider sind wir alle (oder zumindest ich selbst) nicht in der Lage, so viele Kleidungsstücke zu kaufen, dass wir alles kombinieren könnten. Und so sieht unser Kompromiss dann meist nach einem aus: Nicht-Stil.

Und jetzt hat der Ehegatte oder Sie (haben Sie eigentlich mit dem Kopf genickt?) einen ellenlangen Betrag gelesen, nur um zu hören, dass man sich in Blau und Weiß einkleiden soll? Naja, fast.

Das ist sozusagen unsere Grundierung. Von hier aus können wir beginnen, uns über die etwas anspruchsvolleren Kleidungsstücke Gedanken zu machen. HemdenHoodies oder Pullover.

 

Bob Blume weißes T-Shirt

 

Natürlich ziehen Veränderungen unserer wichtigsten Teile Gesamtveränderungen mit sich. Deshalb ist Mode so schrecklich. Und so schön. Also so schrecklich schön. Nun noch ein paar Dinge, die jeder Mann berücksichtigen sollte.

 

  • Die Unternehmen können sich Werbetafeln leisten. Man muss nicht selbst eine sein.
  • Einfarbigkeit aller Teile gehört zum Nicht-Stil.
  • Wenn Sie Künstler, Promi-Friseur, Hochzeitsplaner oder Lehrer sind, gilt das alles für Sie nicht (allerdings aus unterschiedlichen Gründen, die ich nur erkläre, wenn Sie Lust haben, nochmals einen Artikel zu lesen).

 

Und nun freue ich mich über zwei Dinge: Dass die liebe Lisa mir die Möglichkeit gegeben hat, auf Ihrem genialen Blog über etwas zu schreiben, von dem sie tausend Mal mehr Ahnung hat als ich. Und dass ich ihr dieses anspruchsvolle Unterfangen nun wieder überlassen kann.

 

Wenn ihr euch ein wenig für Digitalisierung, Unterricht und die Bereiche dazwischen interessiert, könnt ihr gerne bei mir vorbei gucken (Insta: @blume_bob, Blog: https://bobblume.de) Damit kenne ich mich garantiert mehr aus (obwohl ich deswegen noch nie in der Schülerzeitung stand). Und immer dran denken: Lieber erfrieren als Funktionskleidung!

 

Bob Blume

Bob Blume

Previous Story
Next Story

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply